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Gegen Bush und Bayern

Wednesday, May 5th, 2004 | Sport | No Comments

(aus dem FAZ-Feuilleton)

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Doch die Deutschen mögen eigentlich gar keine Sieger, sie haben es eher mit den Verlierern. Deshalb ist Bayern München hierzulande auch der meistgehaßte Fußballclub. So unbeliebt sind die Bayern, daß ein Politiker wie Daniel Cohn-Bendit nur “zwei Ziele” hat: “Bush muß weg. Und Bayern darf nicht Meister werden.” Das meldet die “taz”, die feststellt, daß es in Deutschland tatsächlich “weitgehend gesellschaftlich akzeptabel” sei, “in seiner Beschäftigung mit der Bundesliga hauptsächlich GEGEN den FC Bayern zu sein”, und die Frage aufwirft: “Ist diese Haltung moralisch in Ordnung? Ist sie auf Dauer gesund?”

Zu diesem sportlichen Negativismus hat die “taz” sogar einen Psychoanalytiker befragt. “Manche Leute finden ihren Klub, aber andere haben auch keine natürliche Wahl”, teilt der Fachmann mit; jenen bliebe dann nur “die negative emotionale Polung”. Die Deutschen sind demnach ein Volk der Suchenden, die mehrheitlich nur das Schlechte finden. Was aber ist, wenn irgendwann Uli Hoeneß nicht mehr da ist und auch nicht Oliver Kahn? Auf wen sollen wir unseren Haß dann lenken? Auf Michael Ballack? Roque Santa Cruz?

Überdies hat der Bayern-Haß von Cohn-Bendit und halb Deutschland etwas Schizophrenes: Damit man sich sein negatives Gefühl erhalten kann, müssen die Bayern auch weiterhin siegen. Vielleicht nicht immer, aber immer noch öfter als alle anderen. Ein FC Bayern, der ständig nur Zweiter würde, im Mittelfeld herumkrebste oder gar abstiege, wäre nicht mehr der FC Bayern – sondern Bayer Leverkusen oder der 1. FC Köln. Und die zu hassen, macht nun wirklich überhaupt keinen Spaß.

Nein, die Bayern müssen bleiben, wie sie sind: arrogant auftreten, unattraktiv spielen, mit viel Glück aber in letzter Sekunde gewinnen. Ungefähr so also wie der zweite Lieblingsfeind Deutschlands und Cohn-Bendits: Amerika unter George W. Bush. Wenn wir den nicht mehr hätten, fänden wir die Weltpolitik schließlich auch gleich viel weniger reizvoll.

Dieser Cohn-Bendit ist übrigens ein totaler Experte, das ist nämlich der, der letzte Woche die CDU für die 1:5-Schlappe gegen Rumänien verantwortlich gemacht hat. Die hätten ja zusammen mit der FDP solange die Reform des Staatsbürgerrechts verschleppt, dass jetzt 20 Jahre Einwanderung im Fußball fehlten.
Stimmt, denn Rumänien ist ja auch mit 11 eingebürgerten Brasilianern aufgelaufen…
Und wenn man sich Asamoah, Rink, Dundee oder Neuville anguckt…

Aber was soll man auch von einem Politiker einer Partei erwarten, die auf ihren Bundesparteitagen fordert, dass sich doch bitte der 1.FC Köln umbenennt, weil er eine Schande für die Stadt sei (das ist zugegeben ein oder zwei Abstiege des 1.FC her)?!

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