Anschläge auf Hilfsorganisationen in Afghanistan nehmen zu

Thursday, June 10th, 2004 | Uncategorized

KUNDUS: Taliban und Al Kaida Kämpfer scheinen die Drohung wahr zu machen, verstärkt ausländische Mitarbeiter von Hilfsorganisationen (NGO’s) zu töten. Am Donnerstag, um 1:40 Ortzeit, erschossen islamische Extremisten elf chinesische Arbeiter und einen afghanischen Wachmann. Fünf weitere Chinesen wurden verletzt. Es ist der schwerste terroristische Anschlag, auf nicht militärische Ziele, seit Monaten.

Die Angreifer überfielen die Unterkunft der Arbeiter, die mit Straßenarbeiten beschäftigt waren und eröffneten das Feuer auf die Schlafenden. Die Zahl der Angreifer schwankt zwischen fünf und zwanzig. Die genaue Zahl konnte noch nicht bestätigt werden, da die Ermittlungen noch andauern. Viele der Arbeiter sollen sich erst seit Dienstag in Afghanistan aufhalten. Laut Angaben der afghanischen Polizei, handelte es sich bei den Angreifern angeblich um Taliban und Al Kaida Milizen. Der Vorfall ereignete sich in dem Dorf Aliabad, in der nordöstlichen Provinz Kundus. In der Provinzhauptstadt Kundus sind, seit Januar, deutsche Soldaten der International Security Assistance Force (ISAF) stationiert. Der chinesische Botschafter, Sun Yuxi, begab sich umgehend zum Tatort. Auf Bitten des Botschafters wurden alle Verletzten in das deutsche Camp verlegt, wo sie medizinische Versorgung erhalten.
Die nördlichen Provinzen galten bisher als relativ sicher, nicht zuletzt wegen der Präsenz der Bundeswehrsoldaten. Sie Situation könnte sich in naher Zukunft ändern. Wegen der bevorstehenden Wahlen in Afghanistan, kündigte ein Sprecher der Taliban letzte Woche, verstärkt Anschläge auf Ausländer an, die sich in dem krisengeschüttelten Land aufhalten. Ziel ist es, den Wiederaufbau des Landes zu verlangsamen oder aufzuhalten und die bevorstehenden nationalen Wahlen zu beeinflussen.
Der Anschlag nahe der Stadt Kundus, ist schon der zweite innerhalb einer Woche, bei dem ausländische Mitarbeiter von Hilfsorganisationen ums Leben kamen. Am 02.06.2004 töteten islamische Extremisten fünf Mitarbeiter der Hilfsorganisation ‚Ärzte Ohne Grenzen’(MSF), in der westlichen Provinz Badghis. Bei den Toten handelte es sich um einen Niederländer, einen Norweger, einer Belgierin und zwei Afghanen. MSF stellte bis auf weiters sämtliche Aktivitäten in Afghanistan ein. Mitarbeiter anderer Hilfsorganisationen zeigten sich geschockt von den Vorfällen.
In wie weit die Ereignisse den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan beeinflussen wird, ist im Augenblick noch nicht einzuschätzen. Laut Oberstleutnant Sarach in Kundus, gibt es bisher keine Erkenntnisse, dass militärische Einrichtungen im Visier der Terroristen stehen. Eine genaue Einschätzung der Lage kann erst nach Abschluss der Untersuchungen getroffen werden. „Die überwiegende Masse der Bevölkerung, steht uns mehr als positiv gegenüber. Wir leisten hier, mit unseren Projekten, Hilfe zur Selbsthilfe und haben keinen Kampfauftrag“, gibt sich der Oberstleutnant überzeugt. Die begeisterten Zurufe der Bevölkerung, beim Anblick deutscher Soldaten, bestätigen diese Aussage.

Mein ehemaliger Mitbewohner Carsten Stormer schreibt seine Abschlussarbeit im Journalistikstudiengang in Afghanistan und schickt von Zeit zu Zeit Berichte und Photos. Dies ist einer seiner Berichte.

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