Archive for July 1st, 2004

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Thursday, July 1st, 2004 | Uncategorized | No Comments

Kandahar

Thursday, July 1st, 2004 | Allgemein | No Comments

Stundenlanges Warten am Flughafen Bagram. Um 14 Uhr ist es endlich soweit. Die C-17 der Air Force ist Startbereit. Ich lege meine Splitterschutzweste an und ziehe mir den Helm auf. Während wir auf der Rollbahn sind, überkommt mich wieder dieses komische Gefühl. Immer wieder werden US Maschinen mit Panzerfäusten und Raketen beschossen!
Der Start verläuft reibungslos. Nach einer guten Stunde verfällt die Maschine plötzlich in Sturzflug, mein Magen wird nach oben gedrückt. Immer wieder fliegt die Maschine waghalsige Manöver, ändert die Richtung und fliegt eine Steilkurve nach der anderen. Mein Kopf wird hin und her gerissen. Ist wie in einer Achterbahn. Dies alles dient dazu, ein schlechtes Ziel abzugeben. Ich bin heilfroh, als wir endlich landen. Tony lächelt mich an: „Quite a landing.“
Noch eine Nacht müssen wir in dem Luftwaffenstützpunkt in Kandahar verbringen. Ich nutze die Gelegenheit, noch einmal zu duschen. Es sollte die letzte Dusche für die nächsten acht Tage werden.

Mein ehemaliger Mitbewohner Carsten Stormer schreibt seine Abschlussarbeit im Journalistikstudiengang in Afghanistan und schickt von Zeit zu Zeit Berichte und Photos. Dies ist einer seiner Berichte.

Currywurst am Hindukusch

Thursday, July 1st, 2004 | Uncategorized | No Comments

KUNDUS: Eine dicke Staubschicht liegt über der Stadt. Das Thermometer zeigt 39 Grad, für hiesige Verhältnisse eine angenehme, frühsommerliche Temperatur. Auf pompongeschmückten und glockenbehangenen Pferdedroschken sitzen alte Männer mit langen, weißen Bärten und mit Burquas verhüllte Frauen.. Kleine Jungen reiten auf Eseln über die ungeteerten Strassen. In der Luft liegt der Duft von gebratenem Fleisch. In Kunduz, im Nordosten Afghanistans, scheint die Zeit seit Jahrhunderten stillzustehen. Nur knatternde Motor-Rikschas, rumpelnde Lastwagen und Geländewagen der UNO und anderen Hilfsorganisationen stören die Idylle und rufen die momentane Situation zurück ins Gedächtnis.
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Letzte Hoffnung Marastun

Thursday, July 1st, 2004 | Uncategorized | No Comments

Herat, Afghanistan: Die Augen des Jungen sind leer. Ein Lächeln umspielt seinen Mund. Das Lächeln ist immer da. Unbeholfen steht er am Webstuhl, wickelt die Wolle für die anderen Kinder auf, die die berühmten afghanischen Teppiche mit den filigranen Mustern weben. Mehr kann der Junge nicht – lächeln und Wolle halten. Das ist sein Leben und so wird es bleiben. Der Junge heißt Murat, er ist elf Jahre alt. Bis vor wenigen Monaten lebte Murat noch von den Almosen, die ihm auf dem Basar von Herat zugeworfen wurden. Eines Tages fand man ihn vor der Tür des örtlichen Marastuns. Hier fand er Menschen, die sich um ihn kümmern, hier hat er ein neues zu Hause gefunden.
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Eine Träne im Ozean

Thursday, July 1st, 2004 | Uncategorized | No Comments

Herat, Afghanistan: Langsam, ganz langsam arbeitet sich Jamaladeem, der Teamleader des EOD (Explosive Ordanance Disposal) Teams von Handicap International Belgien, mit dem langen Bajonetmesser durch den trockenen, steinharten Lehmboden. Nach und nach holt der dreiundvierzigjährige, ehemalige Mudschaheddin Kämpfer acht Stück12.5 mm Flagmunition ans Tageslicht. Die Zünder sind noch immer intakt. Im Hintergrund kriecht einer seiner Mitarbeiter durch die geöffnete Luke eines alten russischen T-72 Panzers. Ein Ruf ertönt und Jamaladeem unterbricht seine Arbeit. Im inneren des Panzers befinden sich 29 RPG-2 und eine RPG-7 Granate. Die tödliche Munition rostet, seit dem unrühmlichen Abzug der Sowjet-Armee vor fünfzehn Jahren, in der afghanischen Wüste vor sich hin. Zwei bärtige Mudschaheddin Krieger, die Kalaschnikows im Anschlag, stehen bereit, das Räumkommando, im Falle eines Überfalls, zu verteidigen. Die Sicherheitslage ist durch die Nähe zur iranischen Grenze mehr als vage. Die geborgene Munition wird auf der Ladefläche eines Pick-Ups verstaut. Einige Quadratmeter afghanischen Bodens sind von der tödlichen Gefahr befreit worden. „Es ist wie eine Träne im Ozean“, sagt Jamaladeem, denn Millionen von Blindgängern und Anti-Tank (AT) – oder Anti-Personenminen (AP) warten noch immer auf ihre Entdeckung. Es wird Jahrzehnte dauern, bis das Land am Hindukusch von der Hinterlassenschaft jahrzehntelanger Kriege befreit ist.
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