ARsen – Die Abschlusspräsentation

Tuesday, July 20th, 2004 | Universität

Am Freitag besuchte ich zusammen mit Richard, Marion, Benjamin und Phillip die Abschlussausstellung des ARsen Projektes, einem Bachelorprojekt des Digitalen Medien Bremen Studiengangs. Der Name sol auf das Thema des Projekts hinweisen, nämlich Augmented Reality. Die Präsentation fand im ehemaligen Luperti-Warenhaus (Am Steintor 98) statt, das zur Zeit leer steht.
Die Studenten hatten 3 Räume vorbereitet: Die Anmeldung, wo man sein Profil in Empfang nahm, bzw. eines erstellen konnte, ein Raum mit einer Theke und einer allgemeinen Darstellung von Augmented Reality und Überlegungen zu den Folgen, sowie einen Raum mit 4 Installationen. Die ersten beiden Räume waren mit einem Gang verbunden, der mit Tüchern abgehängt war.


HannesDie Anmeldung (hier Hannes beim Ausdrucken der Profile) händigte uns ein Profil aus, sowie eine kleine Tüte mit einem Block und einem Stift, sowie zweier Folien in grüun und rot, die als Brille getragen werden konnten. Das Profil war ein bedrucktes Blatt in DIN A4 Grösse, das mit roter und grüner Schrift, sowie mit Punkten in verschiedenen Farben bedruckt war, in etwas wie bei einem Sehtest auf Farbenblindheit. Je nachdem, welche Brille man trug, konnte man entweder das erste oder das zweite Profil lesen. Dieses Blatt wurde dann mit Klebeband auf dem Rücken befestigt, so dass man mit der zusätzlichen “Hardware” Informationen über die Menschen vor einem bekam.
Mieke mit BrilleDie Profile zeigten auch in etwa die Grundidee der ganzen Veranstaltung, dass also normale Gegenstände und Menschen mit zusätzlichen Informationen überlagert werden. Leider gab es in dem Haus keinen Internetanschluss, so dass unsere Profile, die wir 1 Stunde vor der Veranstaltung erstellt hatten, nicht vor Ort vorhanden waren und wir unsere Profile nochmal eingeben mussten. Der Drucker oder die Druckverbindung schienen kaputt zu sein, daher bekam ich kein Profil. Richard hatte aus unserer Gruppe als einziger ein Profil auf dem Rücken (ich sah auch niemand anderes mit einem Profil auf der Ausstellung) und war daher ein begehrtes Ziel für die Brillenträger. Ausserdem konnte man T-Shirts mit dem ARsen-Titel drauf kaufen, die in mehreren attraktiven Farben angeboten wurden (allerdings konnte mir niemand den Preis nennen).

Durch einen schmalen Gang, der mit Tüchern abgehängt war, kam man in den 2. Raum. In diesem war eine kleine Bar aufgebaut, sowie ein paar Monitore aufgestellt und Plakate aufgehängt. Diashow

Gang
In der Bar wurden selbstgemachte Buttons verkauft, und es gab zu jedem Button ein Getränk nach Wahl umsonst dazu. Die Plakate thematisierten unterschiedliche Aspekte von augmented reality, es wurde Wittgenstein zitiert und auch Mihai Nadin. Leider ging der Inhalte nicht viel über die Klappentexte von Büchern hinaus, neue Gedanken wurden leider nicht fomuliert. Es fanden sich die üblichen Überlegungen, es würde sich unser Bewusstsein verändern, lexikalisches Wissen würde an Bedeutung verlieren und ähnliche Perlen der Geisteswissenschaften. Ferner waren auf den Monitoren noch einge Videos und Präsentationen zu sehen, unter anderem ein Interview mit dem Besitzer des Geschäfts, das nur sehr bedingt etwas mit dem Thema zu tun hatte (ich fand es allerdings sehr interessant, aber ich höre ja gerne Geschichten über alte Häuser an, und wie es früher so war), bestenfalls könnte man die Geschichte des Hauses auch als eine anders wahrgenommene Realität sehen, die nur implizit wahrzunehmen ist.

DiashowDer dritte Raum enthielt 4 Stationen: Eine “Diashow”, die wohl in das Projekt einführen sollte und die Teilnehmer benannte, eine Konstruktion, die den jeweils gegenüberstehenden Menschen mit einem (zufälligen) Profil überlagerte, einem Video, das eine tägliche Anwendung der Augmented Reality zeigt, sowie eine Sitzgruppe mit drei Monitoren, die ein Gespräch dreier Menschen aus der jeweiligen Perspektive zeigt.

Zur Diashow sag ich mal nix, ihr werdet den unterhaltsamen Wert kennen. Die zweite Installation war ein Würfel, der 2 Leinwände trug, sowie 2 Webcams im Zentrum dieser Leinwände, welche den Betrachter aufnehmen und auf die gegenüberliegende Leinwand vo einem Beamer projiziert wurde. Profil mit Webcam

Profil mit WebcamEin Rechner erkannte dann, dass sich ein Mensch vor der Leinwand befand und fügte dem Bild ein Profil hinzu, so dass man zusätzliche Informationen bekam. Das Ganze war eine hübsche Idee, leider weder technisch noch ästhetisch soweit ausgereift als dass man es hätte ausstellen sollen. Die Profile waren viel zu klein, so dass man sie nicht lesen konnte, sie bezogen sich nicht auf die Person, die man sah und es stürzte häufiger ab. Die Idee an sich war sehr schön, man hätte sie auch leicht, zum Beispiel mit dem ARToolkit für die einzelnen Personen einsetzen können, so dass die individuellen Profile, die auf dem Rücken klebten, für andere auf der Leinwand sichtbar werden. Die hier eingesetzte Version war so leider etwas langweilig, man stellt sich halt davor, es erschien ein kleines Textfeld und das wars. Weil das Textfeld auch zufällig war fiel nicht so auf, das es sehr schlecht zu lesen war, das wäre bei Relevanz des Textfeldes natürlich sehr störend gewesen.

Die dritte Installation war ein Video, in dem ein Besuch in der Kunsthalle, ein Telefonat und ein Besuch im Supermarkt gezeigt wurden. Das Video zeigte die Darstellung einer Anwendung, man bekam in der Kunsthalle zusätzliche Informationen über die Bilder, im Supermarkt ein Rezept, das sich aktualisierte, sobald man die entsprechenden Gegenstände in den Einkaufswagen gelegt hatte, sowie Preisinformationen über die Waren im Supermarkt. VideoAuch hier wurden meiner Meinung nach die Idee nicht zuende gedacht. Warum waren alle Informationen rein textlich? Die Paprika hätte man zum Beispiel mit farbeigen Annotationen versehen können, ja nach Preisniveau. Oder mit Hilfe eines Symbols die Vitamin- und Mineralstoffe darstellen können, im Verhältnis zum täglichen Bedarf etwa. Allein der Preis ist nicht so sonderlich spannend, dafür brauch ich keine AR. Auch war der Schnitt des Videos von viel Ruhe und Zeitlupe geprägt, das wirkte erstmal sehr “hfk-mässig”, dann aber auch langweilig.

Die letzte Station waren drei Sessel, die in einem roten Licht standen. Vor dem Sessel standen 3 Monitore, diese zeigten ein Gespräch von 3 Personen aus ihrer jeweiligen Perspektive. Ich sass einige Zeit davor und habe bis zum Ende nicht verstanden, warum man den Diskussionsprozess der Studenten (der sehr langwierig war) so darstellen sollte, oder welchen Zusammenhang dies mit AR hatte. Deswegen empfand ich diese Station natürlich als sehr langweilig. Vielleicht kann mich da noch jemand aufklären. Hoffentlich, sonst wärs schade um die Arbeit, die auf jeden Fall in der Station steckte.

Insgesamt bin ich mit der Präsentation sehr am hadern. Mir war die Zielrichtung überhaupt nicht klar: Sollten Anwendungen der AR mit Chancen und Risiken gezeigt werden? Dann wurden sich entschieden zu wenig Gedanken über die Vermittlung gemacht. Sollten kreative Möglichkeiten im Umgang mit AR gezeigt werden? Dann waren die Ideen insgesamt ein bischen kurz und nicht sonderlich kreativ. Neuere Entwicklungen, wie zum Beispiel das Vorhaben der Verortung von Wissen, das in der Wikipedia-Gemeinschaft dargestellt wird, oder die Frage, was ein allgemeiner Zugriff auf Daten für das Konzept von Räumen (Presence) bedeutet, werden kaum dargestellt. Auch die Fragen, die sich auf die Möglichkeiten der Bedienbarkeit von AR-Systemen stellen werden nicht gestellt oder gar beantwortet. Schön war die Art der Präsentation selbst, die Räume boten sich geradezu für das Arbeiten mit dem Beamer an und auch die Gestaltung durch die Studenten gefiel mir gut.

Die schönen Photos sind übrigens von Florian Dietrich, danke dafür; die anderen von mir.

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Florian Dietrich
20. July 2004

Hmm, ein eher ambivalenter Besucher unserer Präsentation, vielleicht kann ich ein paar Sachen aufklären, bzw. ein
Konzept erklären.

Ich weiß nicht, inwieweit du die gesamte Regalwand gelesen hast, bzw. inwiefern das alles verständlich war. Also zunächst, wir waren “nur” sechs Studenten und wir waren recht gleich verteilt aus MI und MG, nämlich von drei von der HFK, zwei von der Uni und einer von der HS. Der Schwerpunkt unseres Projektes war ein eindeutig geisteswissenschaftlicher. Unser Projekt, dessen Ziele – wahrscheinlich auch aufgrund der Tatsache, dass wir es uns selbst überlegt haben – anfangs noch sehr schwammig waren, sollte anfänglich nur das Ziel haben, eine Theorie einer möglichen Zukunft mit Augmented Reality zu formulieren. Eine Installation war hier noch nicht vorgesehen. Die Ursache dafür war, dass es zwar unglaublich viele Forschungen für konkrete Anwendungen auf dem Gebiet von Augmented Reality gibt, sich aber niemand eigentlich wirklich Gedanken darüber macht, wie eine Zukunft, eine Gesellschaft und auch das Individuum selbst dann aussehen würden. Von daher sind die “Perlen der Geisteswissenschaft”, wie du das so schön formulierst, eines der Hauptergebnisse unseres ganzen Projektes. Dass diese so ähnlich klingen mögen, wie euphorische Schriften über Hypertext und ähnliches mag daran liegen, dass Augmented Reality ein weiteres Hypermedium wäre.

Auf jeden Fall waren Technik und Gestaltung von Augmented Reality eben nur zwei Recherchegebiete, die anderen nämlich die Sozial-, Neuro- und Wahrnehmungspsychologien, die Psychoanalyse, die Informations- und Zeichentheorien und die Kulturwissenschaften sind Gebiete, die mit unserem Studiengang nicht viel zu tun haben, die aber ein Thema, das für unseren Studiengang von großem Interesse sein wird,von einem anderen Standpunkt beleuchten können. Die Ergebnisse unserer Überlegungen auf diese Wand im Laden zu bekommen war ein Problem. Wie willst du Menschen, von
denen viele nicht einmal wussten, was Augmented Reality ist und die vermutlich selbst kein sehr tiefgehendes Wissen auf unseren Recherchegebieten haben, das alles vermitteln, zusätzlich innerhalb einer Ausstellung in der du zwar häufig gucken kannst, aber selten viel lesen musst? Bei uns musste man schon ziemlich viel lesen und dennoch mussten wir die Inhalte in der Komplexität soweit herunterbrechen, dass du mit Fug und Recht behaupten kannst, dass es nicht mehr Inhalt als Buchklappentexte hatte. Wenn du alles lesen willst, was wir produziert haben, dann kannst du gerne eine Kopie unseres Projektberichts bekommen. Er umfasst übrigens derzeit 130 Seiten, ist hauptsächlich in Stichworten und erfasst nur etwas mehr als unsere Recherchephase. Aber selbst bei diesen Ergebnissen wird niemand von uns behaupten, dass auch nur ein Thema, noch sein Einfluss auf Augmented Reality erschöpfend oder gar richtig behandelt wurde. Unser Projekt war von vornherein sehr breit angelegt.

Die Installation ist in der Form erst im zweiten Projektsemester entstanden und aufgrund des erheblichen allgemeinen Organisationsaufwandes ist die Produktion der meisten installativen Elemente mehr oder weniger innerhalb von drei Monaten abgelaufen.

Zu den installativen Elementen:

1. Profile: Der Sinn war in der Tat, das dir Informationen hinzugefügt werden, aber eigentlich auch nicht wirklich, denn alle Informationen, über dich sind ja schon in dir als Person, als physische Erscheinung enthalten. Augmented Reality macht dies nur sichtbar. Das Prinzip der zweiten Schicht, die Augmented Reality über alles legt und die Informationen sichtbar macht, die Objekten ja eigentlich ständig “anhaften” ist übrigens ein wichtiges Prinzip unserer Installation gewesen. Ein anderer Sinn war aber auch, dass du in einer Welt mit Augmented Reality mehr als eine Persönlichkeit haben kannst. Das Prinzip ist aber auch so ein allgegenwärtiges, du wirst in unterschiedlichen sozialen Kontexten immer einen geringfügig anderen Teil deiner Persönlichkeit zeigen (in der Familie, zusammen mit deinen Freunden, zusammen mit deiner Freundin). Wir glauben, dass diese Tatsache durch Augmented Reality noch viel stärker zum tragen kommen wird. Der Entwurf einer äußerlichen Repräsentationsform von uns, die wir gegenüber anderen vertreten, ist ein sehr wichtiger Bestandteil unserer Entwicklung. Augmented Reality bietet Möglichkeiten dies mit sehr wirksamen Mitteln zu bewerkstelligen, also werden solche “Profile” in Zukunft in unterschiedlichen sozialen Kontexten stärker voneinander abweichen und mit sehr viel Sorgfalt von ihren Trägern gestaltet sein. Die Theorie der stärkeren Flexibilität, der stärkeren Variabilität von Persönlichkeiten ist übrigens ein Konzept das Antonio Negri in seiner derzeit sehr populären Gesellschaftsvision “Empire” völlig unabhängig von Augmented Reality entwirft.
Das die Profile anfangs technisch nicht gut funktioniert haben, ist natürlich unser Versäumnis. Leider bist du recht früh gegangen, wir hatten das später besser im Griff und hatten zwischenzeitlich immer eine große Anzahl anLeuten mit Profilen in der Ausstellung.

2. Post-It’s: Die sind bei dir etwas unter den Tisch gefallen, spielen aber auch eine große Rolle. Es sollten so Informationen geschaffen werden, die Objekten oder Personen “anhaften” (ok, die Analogie ist etwas forciert) und die von den Benutzern des “Systems” generiert wurden. Die Idee dahinter war, dass jeder Nutzer eines Augmented Reality Systems jedem Objekt und – mit Einschränkungen – jeder Person im System Informationen anhaften könnte und
der Speicherplatz für diese Informationen damit im Objekt verortet wird. Darüberhinaus waren sie eine Metapher für die Sinnzuschreibungen und Erinnerungen, kurz die Informationen, die von Individuen Objekten zugeschrieben werden und auch nur für diese Individuen Bedeutung haben. Es ist so gesehen die Visualisierung eines semiotischen Konzeptes. Oder das sollte es zumindest sein. Die Anrufbeantworter und die Polaroidkameras hatten übrigens den gleichen Sinn, nur mit anderen Medien…

3. T-Shirts: Kosten 10€ und hatten eigentlich den Sinn, dass sie Leuten zur Verfügung gestellt werden sollten, die sich nichts auf die Klamotten kleben lassen wollten. Irgendwie gabs da aber niemanden. Wir haben übrigens noch welche übrig, also wer gerne möchte…

4. Interview: Das Interview hatte auf diesem “Level” (ist jemandem die steigende Dramaturgie der Ebenen mit Jetztzustand, Visualisierung der Theorie und “Vision” eigentlich aufgefallen?) eigentlich doch einen guten Themenbezug. Es ging um die Sichtbarmachung von Informationen und zwar ortsbezogen und da Hr. Heitmann (der ältere Herr) mit seinen 84 Jahren, sehr sehr viel zu dem Ort erzählen konnte (wir hätten bei Interesse auch noch eine Stunde über den Krieg), konnte er für uns die Informationen visualisieren, die dem Ort so schon inne wohnen. Mit Augmented Reality wäre das natürlich nicht auf einem Monitor geschehen.

5. Diashow: Ich weiß nicht, ob uns so viel Ehrlichkeit gut tut, aber ja sie war nicht das was sie sein sollte. Das hatte allerdings auch den Grund, weil ich persönlich die Materialien, die für die Diashow gedacht waren, ausgedruckt und daher zum Teil der Regalpräsentation gemacht habe. Die “Diashow” ist also das Ergebnis etwas planlos zusammengeschriebener Elemente um halb 5 Uhr morgens. Aber hey ich wüsste nicht wer bei den digitalen Medien anders arbeitet…:-)

6. Die Scheibe: Hmmm, Maltes Kritik ist berechtigt, aber das Ergebnis ist erklärbar, ich weiß, dass das nicht viel hilft, aber ich glaube, dass man sie dadurch in einem etwas wohlwollenderen Licht sehen kann. Die Scheibe ist mit OpenCV programmiert. OpenCV ist ein Bilderkennungspaket von Intel, das seit Jahren im Betastadium geblieben ist.
Dieses Paket kann nicht mit WDM-Treibern umgehen, weshalb wir keine Firewire gebundenen DV-Cams verwenden konnten, daher die Webcams. Darüber hinaus hatten wir einfach ein Kompetenzproblem. Die Scheibe ist innerhalb von vier Monaten programmiert worden. Wir waren zwei Studenten von der Uni, die als einzige überhaupt in der Lage waren, irgendwie ein bisschen C++ zu programmieren, obwohl wir zu Beginn davon auch nicht viel Ahnung hatten. Wir haben also mit einem (bzw. keinem) Bildverarbeitungskurs im Rücken versucht etwas auf der Grundlage von Algorithmen zu programmieren, die wir nicht grundlegend verstanden haben, in einer Programmiersprache, die – auf die Gefahr hin, dass ich erschlagen wird – dreckig ist und innerhalb eines Paketes, das den Beta-Status nie verlassen hat und vermutlich nie verlassen wird. Der ästethische Ausdruck entspricht dem, was man so aus OpenCV rauskitzeln kann und war, wie ich finde, mit ein wenig Wohlwollen sehr gut zu lesen, zumindest gelang es allen. Die Programmabstürze lagen übrigens an einem nicht konformen Bild und konnten ebenfalls später (am nächsten Tag) behoben werden. Dennoch natürlich würden wir es heute anders machen, und das Bild war pixelig, und die Beamer haben reingestrahlt, und ja es wurden nicht die wirklichen Personen erkannt. Marker wären sicher ne Idee gewesen, wir wollten es am Anfang sogar mit RFID-Tags machen…aber…ne…woher? technisches Know-How? Zeit? Übrigens ist die Scheibe eigentlich ausschließlich von Hannes programmiert, da ich selbst ziemlich früh am Anfang der Entwicklung ausgestiegen bin.

7. Film: Langweilig würde ich widersprechen, den meistens hat er sehr gut gefallen und er war so interessanter als in nur 7 min. Zu Ende gedacht wurde die Idee mit den Informationen schon, Icons, Farbverläufe, unterschiedliche Grundformen, Blinken, Transparenz, Einkaufshilfeavatars, Wireframes, Animationen im Matrix Style, ich bin mir fast sicher, dass in unseren Konzepten viele der Ideen stehen, auf die man kommen kann. Nicht umgesetzt ist sie aus zwei Gründen, wir sind der Meinung, dass textuelle Informationen aufgrund der schlechten Differenzierungsfähigkeit von reinen Icons (und ich meine jetzt wirkliche Icons und nicht irgendein schönes Rechteck, indem sowas wie Vit.C. steht) eindeutig bestimmendes mediales Mittel der Augmented Reality Umgebung bleiben werden. Und weil wir das glauben und weil wir auch glauben, dass jeder Mensch maximale Freiheit, bei der Konfiguration des Aussehens seiner Augmented Reality Oberfläche wird haben müssen (angedeutet im Film durch unterschiedliche Farben, Formen, Präsentationsschemata), sind unsere Oberflächen textuell. Aber wenn du dir Icons wünscht Malte, würde deine Oberfläche sicherlich welche haben…

8. Sitzecke: Die Sitzecke war mit Sicherheit die abstrakteste Installation und viele wollten den Sinn erklärt haben. Vielleicht kann ich das hier einmal tun, obwohl diese Sitzecke nicht auf einer meiner Ideen beruht und ich jetzt bestimmt was vergesse. Die Sitzecke zeigt ein Gespräch aus drei unterschiedlichen Perspektiven. Dies sind die Perspektiven von drei völlig unterschiedlichen sozialen Individuen. Sie haben alle eine unterschiedliche Sozialisation hinter sich und damit unterschiedliche Kategorien, nach denen ihr Denken und auch die Interpretation ihrer Wahrnehmung strukturiert ist. Es geht also um Wahrnehmung. Wahrnehmung ist kein passiver Prozess, sondern etwas bei dem das Gehirn aktiv Reize nach diesen unseren Kategorien “uminterpretiert”. Unterschiedliche Menschen, sehen also die gleiche Situation auf unterschiedliche Art und Weise. Dies bezieht sich sowohl auf ihr Sichtfeld (alle drei Monitore haben ein anderes Kontrast- und Farbklima), als auch auf die Assoziationen und Gedanken, die ihnen innerhalb der Situation durch den Kopf gehen. Hannes verbindet mit dem Begriff einer Bratuwurst etwas anderes als Katrin, die Vegetarierin ist. Es ist mit Sicherheit eine Form “erweiterter Wirklichkeit”, wenn man die Situation durch die Augen einer anderen Person sehen kann und ihre Gedanken und Gefühle vermittelt bekommt. Ursprünglich war übrigens für die Monitore noch eine Motorenkonstruktion geplant, die die Monitore mit dem Blick mitgehen lassen sollte. Leider haben sich diese von Criquets gesteuerten Legodinger in der Testphase soweit abgenutzt, das sie nichts mehr bewegen konnten. Der Sinn der Sitzecke war eine andere – nicht unbedingt – technische Form von Augmented Reality zu zeugen. Eine viel allgemeinere Fassung des eigentlichen Begriffs, die auch zeigen sollte, dass Augmented Reality ein (wenn vielleicht auch kleines) Stück weit, die Weiterführung vertrauter Mechanismen ist. Ich bin mir fast sicher, dass das nicht ausgereicht hat, um die Idee vollständig verständlich zu machen, andererseits ist dies auch unsere künstlerischte (wenns das Wort gibt…) Installation, also weiß ich auch nicht, inwieweit man es tun sollte.

Zielstellung war also ganz egozentrisch, die Visualisierung dessen, womit wir uns theoretisch, kreativ, visionär und philosophisch (*hüstel* ;-) ) auseinandergesetzt haben. Die Installation war die Visualisierung unserer Ideen und Konzepte, die aber insgesamt so breit angelegt waren, dass sie nicht wirklich in die Tiefe gehen konnten und schon gar nicht wirklich in voller Tiefe dargestellt werden konnten. Einiges haben wir nicht mehr zur Perfektion treiben können (Diashow, Scheibe). Aber unsere persönliche Zielstellung bei der Gestaltung des Events (was so im März war), waren hauptsächlich, dass es cool aussieht und dass wir Spaß haben. Dies beinhaltete natürlich auch einen gewissen Qualitätsanspruch an alles. Für uns konnten wir diesen halten, wir hatten Spaß und wir haben auch ein wirklich sehr positives Echo von allen bekommen, sei es Dozenten, Studenten oder den Leuten, die von der Straße reinkamen.

Malte Diedrich
20. July 2004

Uff, so einen langen Kommentar hatte ich ja noch nie! Danke für das ausführliche Eingehen auf die verschiedenen Punkte, ich werde versuchen, sie der Reihe nach zu beantworten, so denn überhaupt ein Antwort nötig ist. Nebenbei hätte ich ein grosses Interesse an dem Projektbericht, ich würde ihn dann auch ganz gerne mit auf diese Seite stellen, wenn das in Ordnung ist, da er wohl das entscheidende Werk eures Projektes war (wenn man eure Erkenntnis aussen vor lässt). Auf jeden Fall Dankeschön für die Erläuterungen zu den einzelnen Stationen, im Nachhinein wird dadurch einiges klarer.
Ich denke, man muss zwischen der Zielsetzung eines Projektes und dem Ziel der Präsentation unterscheiden. Wenn ihr einen sehr umfangreichen Projektbericht gerade erstellt, dann weist das ja auf ein sehr intensives Beschäftigen mit dem Thema hin, was ja das Beste ist, was man in einem Projekt tun kann. Ob diese Komplexität dann auch auf eine Präsentation übertragen werden kann, und vor allem, wenn euer Projekt eher daraus bestand, sich mit den Auswirkungen der AR zu beschäftigen, stellt sich die Frage, ob eine so grosse Ausstellung am Ende überhaupt nötig ist, oder ob es dem Projekt nicht sogar gut täte, eine andere Form des Abschlusses zu wählen. Wenn ich deinen ersten Sätze richtig verstehe, dann war eine Installation zuerst auch gar nicht geplant, und das muss in der Tat nichts Schlechtes sein. Und euer Thema, so wie du es darstellst, ist in der Tat ein Tolles, gerade für diesen Studiengang. Ihr versucht, AR als Medium wahrzunehmen, ihr habt verstanden, dass es nicht nur eine weitere Technik ist, sondern als Medium einen entscheidenden Einfluss auf unsere Denk- und Wahrnehmungsgewohnheiten haben wird. Das ist meiner Meinung nach ein hervorragender Ansatz, der hundertprozentig in unseren Studiengang passt und doch viel zu oft zu kurz kommt.
Insofern würde ich eine Kritik an der Ausstellung auch nicht mit einer Kritik am Projekt gleichsetzen wollen. Eine Präsentation hat ja in erster Linie einen Sinn in der Vermittlung, und ich bin nicht sicher, ob die Vermittlung nicht zu einfach angegangen wurde. Die meisten Kritikpunkte bestätigst du ansonsten ja, und wenn man den Wert einer derartigen Präsentation nicht nur im eigenen Spass und dem projektinternen persönlichen Reflektieren sieht, dann wird man sich mit den Zielen und Methoden von Vermittlung auseinander setzen müssen. Die Frage hast du ja schon selbst formuliert: Wie willst du Menschen, von denen viele nicht einmal wussten, was Augmented Reality ist und die vermutlich selbst kein sehr tiefgehendes Wissen auf unseren Recherchegebieten haben, das alles vermitteln. Ob ihr hier euren eigenen Qualitätsanspruch halten konntet, und ob dieser vorher so formuliert war, weiss ich nicht.

mieke
20. July 2004

danke, malte, schönes foto!

F.
21. July 2004

Es fällt mir schwer, zu kritisieren, womit sich Leute ein ganzes Jahr beschäftigt haben… Aber trotzdem habe ich in vielen Punkten ähnlich wie Malte gedacht.

Ich hätte mir, gerade wenn hier der geisteswissenschaftliche Aspekt betont wird, eine sehr viel kritischere Auseinandersetzung mit dem Thema gewünscht. Es erinnerte mich ein bisschen an die 60er Jahre Futurismus-Anekdoten aus Prof. H.D. Helliges Vorlesungen. (Von denen ich übrigens echt etwas mitgenommen habe – unbedingt besuchen! ;-)
Erinnert ihr euch an den Vortrag von Prof. Herman Maurer? Sehr spannende Gedanken, fand ich, und hätte mich gefreut, auch solche im Projekt weitergedacht zu sehen.

Das bezieht sich jetzt natürlich nur auf das, was ich aus der Präsentation mitgenommen habe. Wahrscheinlich gab es im Kleingedruckten und im gesamten Projektverlauf tatsächlich einiges mehr…

So, das war jetzt der erste Blog-Beitrag meines Lebens – macht ja richtig Spaß mit den Links uns so… ;-)
Hast du Stammleser, Malte?

Malte Diedrich
21. July 2004

Hallo F., herzlichen Glückwunsch zu deinem ersten Beitrag. Es ist übrigens durchaus guter Stil, seinen vollen Namen zu hinterlassen, das erleichtert die Diskussion :)

An Maurer dachte ich auch schon ein paarmal daran, aber ich hab durch seine unglaublich schlechten Bücher ein eher gespaltenes Verhältnis zu ihm.
Ich dachte auch, was soll das, das ist die Arbeit eines ganzen Jahres, aber dann wiederum meine ich, dass die Arbeit auch ein ehrliches Feedback verdient und wir ausserdem fast nie gesagt bekommen, wenn wir was schlecht machen, und das unserem Studiengang auch nicht immer gut tut.

Ach ja, und Stammleser hab ich wohl ein paar, jedenfalls vermute ich, dass nicht alle der ca. 500 visits am Tag auf der Suche anch Britney Spears, Pamela Andersons oder Paris Hiltons Pussy sind. Aber nur die wenigsten davon sind mir bekannt. Deswegen freue ich mich um so mehr über vollständige Namen :-D .

Jörg
22. July 2004

“Programmabstürze lagen übrigens an einem nicht konformen Bild”
Eine Aussehenbeurteilungsmethode hattet Ihr also auch geschrieben? ;)

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