Annett Louisan (und nicht Blumfeld)

Thursday, November 4th, 2004 | Internet gucken, Musik

Bohème - Annett Louisan

Nachdem Laut.de über die CD von Annett Louisan berichtete und auch Elbewerk sich zu einem, leider viel zu selten, Kommentar durchrang, war mein niedriger Aufmerksamkeitshorizont durchbrochen, ich habs mir angehört und nun liegts auf der Festplatte. Gefällt mir sehr gut, ein bisschen jazzig, nette Texte und schöne (zurückhaltende) Instrumentierung.

Dass Frau Louisan auf Deutsch singt, war Laut.de doch einige Bemerkungen wert, in letzter Zeit scheinen es ja Rechtfertigungsgründe für die Sprachwahl nötig zu sein:

Eine nicht unerhebliche Anzahl junger deutschsprachiger Bands und Künstler enterten in der Vergangenheit sehr erfolgreich Charts und Hörerherzen. Dies ließ Blumfelds Jochen Distelmeyer in einem unlängst veröffentlichten Pamphlet schon argwöhnen, dass eine “neue Deutschtümelei” drohend den nationalen Musikhimmel verfinstere. Nun taucht da wieder ein debütierender Name auf, der in einem Interview auch noch bekennt: “Der Hauptgrund, weshalb ich mich entschieden habe, deutsch zu singen war, dass ich gemerkt habe, dass man in seiner eigenen Muttersprache einfach viel mehr ausdrücken kann. Man hat viel mehr Möglichkeiten, mit Gefühlen zu spielen und Ideen rüberzubringen …” Ist Annett Louisan damit des vom gestrengen Distelmeyer überall gewitterten Post-Germanentums schuldig? Mitnichten. Eher erweist sich dieser Standpunkt als eine sehr erfreuliche und vor allem normale Entscheidung. Ihre Liederlichkeiten überraschen und gefallen durch die große Fülle an frischen, griffigen Formulierungen und so manch originellem Textbonmot. Vom Händchen für einprägsame Melodiebögen ganz zu schweigen.

Muss man den Distelmeyer eigentlich so ernst nehmen, wie er anscheinend sich und seine Musik nehmen muss? Das ist schon ein bisschen albern und arg verkrampft, aber Blumfeld haben sich bisher ja selten als Meister der Brechung hervorgetan.

No Comments to Annett Louisan (und nicht Blumfeld)

Olav
5. November 2004

Ich denke, nach dem zweiten oder dritten Hören werde ich’s richtig gut finden. Danke für den Tip.

Malte Diedrich
5. November 2004

Ja, es ist komisch, ich dachte erst, daran überhöre ich mich aber schnell, aber im Moment läufts dann doch immer wieder.

Frederik Penkow
10. November 2004

Na dann mal guten Abend, was soll denn “Post-Germanentum” sein? Post, hieße ja überwunden, anstatt dessen seh und finde ich nur Neo-Germanismus allerorten. Hast Du grad ernsthaft Blumfeld die Berechnung abgesprochen? Hirn einschalten führt nicht automatisch zu verkrampfung. “Natürlich kann Mensch das denken anderen überlassen, sollte sich dann aber nicht wundern wenn Die einem dann lebenslang diktieren was angeblich zu tun ist.

Und da ihr gerne unverkrampft und nichtexremistisch mit eurem deutschtum umgeht findet ihr auch sicher das hier geil:

Tag um Tag, Jahr um Jahr,
Wenn ich durch diese Straßen geh’,
[...]
Das ist doch nur ein schlechter Lauf.
So schnell geben wir doch jetzt nicht auf.

…Mensch, das ist doch klar, dass Du dich von so einem scheiß distanzieren musst wenn Du immer wieder als “Vorreiter” gefeiert wirst, und dann sowas in die Hitparaden einmarschiert. Halleluja.

-Der immer und ewig frotzelnde Frederik

Malte Diedrich
10. November 2004

Ich find’ das schon fast bösartig, aus diesem Artikel mit Bezug auf Louisan und ihre Besprechung bei laut.de eine Zustimmung auf irgendwelche Heppner-Machwerke zu konstruieren (und dann noch diese hier komplett zu zitieren, wiederum aber keine Quelle anzugeben und mich auch noch danach googlen zu lassen). Gerade diese Verkrampftheit habe ich gemeint, mit der Blumfeld (und du anscheinend auch) jeden noch so weiten Bezug auf Sprache und Land reagieren, ohne zu realisieren, dass man auch sich der Geschichte dieses Landes bewusst sein kann und trotzdem anerkennen, dass es “auch mein Land, auch meine Menschen” sind. Dies übrigens nicht ausschliessend.

Anonymous
27. November 2004

Hm. Hab grad mal wieder vorbeigeschaut was draus geworden ist. Also Im Projekt “Wir dürfen wieder wer sein” finden sich ja grade die sog. Mitte und der “rechte Rand” in einenm Boot wieder und verstehen sich prächtig. Hab da nur die Zusammenhänge klargestellt. Hat ja eher mit Verkrampfung zu tun wenn Mensch es nötig hat sich irgendwelchen Bannern (Flaggen, Nationalitäten) unterzujubeln als, ähm, eben grade nicht. Wenn Greenpeace z.B. für ein genmodifikationsfreies Deutschland wirbt darf ja auch gefragt werden wie das denn gehen soll. Und wie gesagt, von Sprache an sich hat ja niemand gesprochen, die ist halt da. Können jetzt natürlich auch englisch reden wenn Du mir erzählst was das bringt. Was das Zitieren angeht… Ich bin halt nicht so geeky, werd mal nachschlagen wie da die Etiquette aussieht. Gesagt. Getan. Und in den Diestelmeyer, d.H. in seiner Funktion als Sprachrohr der “Familie”Blumfeld “Familie”, in den Kontext gestellt zu dem der sich geäussert hat. Kontext: http://www.plaudertasche.net/pt/ber04/ber_tocotronic0401.htm … schon komisch, dass einige Menschen es immer erst dann raffen (=ernst nehmen), wenn sie selbst von Ausgrenzung und Diskreminierung betroffen sind.

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