Blog-Remix (Becker, Roell, Haeusler)

Wednesday, December 22nd, 2004 | Internet gucken

1.)

Was mir aufstösst ist der Tenor, das man mit genügend Zeit oder Wissen die Angelegenheiten anders “kommuniziert” hätte. Man schaue sich nur das Meyerinterview im ZDF an. Da schleichen sich die 90iger mit ihren Kommunikationseminaren an das Herzstück jeder funktionierenden demokratischen Gesellschaft an: Die Lüge! Endlich verschwindet sie dank “Kommunikation”. Das musst du nur richtig “kommunizieren”. Der “kommuniziert” das nicht richtig. Gebt ihm doch Zeit das “richtig” zu “kommunizieren”. Der Fehler wird nicht mehr im eigenen Handeln entdeckt, sondern in ungeschickter “Kommunikation”.

Der Trend den ich meine dahinter entdecken zu können, wird vom Wahn getragen alles verkaufen zu können, wenn bloss die geistige Einstellung und die Technik stimmt. Das Höller-Höhler-Tschakka-Syndrom. Nun auch im Politpaket. Höre ich da jemanden Orwell raunen? (Mehrzweckbeutel)

2.)

Ich hatte eben ein langes Telefonat mit Herrn Bonow, der mich auf diesen Eintrag hin angerufen hat. Ein paar Klarstellungen:

Jamba verfolgt natürlich nicht nur 12 Foren, sondern eine Vielzahl von Quellen. Die Zahl 12 sind die als am wichtigsten identifizierten Orte. Viele Diskussionen sind nicht wichtig, weil sie nichts Neues bringen und nur dieselben Punkte immer wieder aufkommen. Hier muss Jamba nicht reagieren. Wir sprachen ausführlich darüber, ob ein Unternehmen auf Kritik in Blogs reagieren sollte, wann es das tun sollte und wie es das dann tun sollte. Für ein Unternehmen ist es nicht leicht, zu identifizieren, wann eine Kritik wichtig ist und wann nicht: Der Eintrag im Spreeblick brachten zum Beispiel für Jamba inhaltlich wenig neue Kritik, deshalb hat Jamba nicht offiziell darauf reagiert. Was sie nicht gesehen haben ist, wie schnell sich die Story verbreitet und welche Konsequenzen, insbesondere nach der Reaktion der Jamba-Mitarbeiter sie haben kann.

Hierauf bezog sich auch meine Äußerung zur “Unkenntnis” von Herrn Bonow oben, mit der ich ihn nicht beleidigen wollte (was ich aber wohl getan habe – es tut mir Leid): Jamba hat hier nicht gesehen, wie wichtig der Weblog-Eintrag war und wie kritisch die Reaktion der Mitarbeiter in den Kommentaren werden könnte. Es weiß nicht, wie die Dynamik so einer Geschichte in der Blogosphere ist, wie schnell sie sich fortpflanzt und auch in andere Medien überspringen kann. Es ging mir nicht um eine generelle Unkenntnis von Herrn Bonow zu seiner Arbeit, sondern nur um die Unkenntnis über die Blogosphere. (Das E-Business Weblog)

3.)

Er ging in Altersheime und quatschte die Leute so lange zu, bis sie jeden Vertrag unterschrieben, denn (den mit einem fiesen Lachen unterstrichenen Satz werde ich nie vergessen): “Die sind doch viel zu blöd, um den ganzen Kram zu lesen, das können die ohnehin nicht mehr erkennen! Hahaha!”

Die meisten von uns lachten mit, teils, weil sie die Geschichte wirklich “cool” fanden, teils aus Gruppenzwang.

Ich war ja schon immer so’n ernsterer Typ. Ein, zwei meiner Freunde auch. Wir gingen in eine andere Ecke, und das erste und einzige Wort, das zu dem Thema fiel, war:

“Arschloch.” (Spreeblick)

No Comments to Blog-Remix (Becker, Roell, Haeusler)

Siggi Becker
22. December 2004

Gutes Auge der Mann. Die Zusammenhänge sinds, was die Sachen fett macht.
(Der Spreeblick-Link ist leider kränklich)

Malte Diedrich
23. December 2004

Ja, danke, der hat seine Medizin bekommen. Muss muss man Spreeblick denn überhaupt noch verlinken?

Siggi Becker
23. December 2004

Spreeblick verlinken? Natürlich, schliesslich steht er erst an 5.Stelle für “jamba”. ;-)

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