Mehr oder minder geordnete Gedanken zu IzyNews

Wednesday, January 5th, 2005 | Internet gucken, Medien, Weblogsachen

Eine grosse Aufregung geht durch die Blogwelt (noch mehr Links): Die Firma IzyNews überführt RSS-Feeds in Emails und versendet die dann. Da die das für jeden Artikel komplett machen (im Web auch Fullquote genannt) und nicht etwa Ausschnitte kopieren, Geld für den Service verlangen und auch keine inhaltliche Ergänzung hinzufügen, sind eine ganze Reihe Weblogs etwas sauer. Kai Pahl versucht (immer mal wieder in den Kommentaren), durch beständiges Nachfragen herauszubekommen, was die Blogschreiber eigentlich stört, gibt es doch eine Reihe von Aggregationslösungen wie z. B. Bloglines, Daypop oder Blogdex, bekommt aber nicht so recht eine Antwort.
Drei Dinge sind meiner Meinung nach gegenüber den zitierten Lösungen anders: IzyNews will für die Blogtexte Geld haben (es gibt eine kleinere Version mit 20 Feeds umsonst, aber darüber hinaus muss man zahlen), sie ignorieren CC-Lizenzen und sie ändern das Medium.
Für den ersten Teil kann man ausführen, dass dies nicht anders als ein bezahltes Programm ist, das gegen Geld mir ermöglicht, meine Feeds zu bekommen, nur halt online und nicht auf meinem Rechner. Das wird mit Zunahme von Webservicessen (wie auch immer der Plural von Webservice ist) noch ein hübsches Problem werden, nicht nur bei Weblogs. Vermutlich hat Markus Breuer schon darüber geschrieben (oder schreibt demnächst darüber).
IzyNewsIch hab mir dann mal die Mühe gemacht, mich bei dieser Firma als Testnutzer anzumelden. Man kann tatsächlich aus einem Verzeichnis frei wählbare Feeds abonnieren, ich hab testweise mal den von Herrn Roell abonniert und ausserdem kann man auch URLs von RSS Feeds frei eingeben, das habe ich mit meinem eigenen Feed mal ausprobiert. Funktioniert beides ohne Einschränkungen. Das Interface ist übrigens recht grottig, auch an der Präsentation kann man noch arbeiten, aber darum dürfen sich andere kümmern.
Also, Fazit soweit: Nicht viel anders als Bloglines, allerdings mißverständlich dargestellt und nur auf 20 Feeds beschränkt. Den Teil der exclusiven Feeds hab ich hier aussen vor gelassen, da ich keinen Zugriff darauf habe.

Zum zweiten Teil: RSS Feeds sehe ich als Teil einer Website, nur in einer anderen Repräsentation. Insofern werden auch etwaige Lizenzen, wie etwas die CC-Lizenz auf die Feeds anwendbar sein (IANAL). Nun stellt sich mir aber die Frage, inwiefern die komplette Übernahme von Volltextfeeds und deren Umwandlung in Emails noch der Repräsentation als Webseite entsprechen, ausserdem muss natürlich auch die CC-Lizenz irgendwo zum Vorschein kommen. Eine derartige Einbindung ist auch möglich, der Boing Boing Feed nutzt dies beispielsweise, es ist aber bei IzyNews nicht implementiert, insofern auch nicht Teil der versandten Emails. Das ist ein Problem.

Das dritte Problem ist die Umwandlung in Emails. Die Feedeinträge werden in Mails umgewandelt, und diese dann auf einen IMAP-Account gespeichert, den man von seinem Browser aus synchronisieren kann. Ich denke, man trifft hier eine Grauzone. Ist das ein Medienbruch? Ist das etwas anderes als die Darstellung aller Feeds auf einer Webseite, wie das z. B. Bloglines macht? Dann wäre das wohl in Ordnung. Oder ist es vergleichbar, z. B. mit dem Kopieren einer Tageszeitung und dem Verschicken dieser Kopien per Post? Damit hätte die Tageszeitung wohl ein Problem. Die Weblogs dementsprechend reagieren auch von gelassen über deutlich bis sauer auf die Übernahme der Posts, und auch der Rechtsanwalt spitzt schon die Feder.

Für mich klingt ein bisschen die Bloggen ist (kein) Journalismus- Diskussion an, von der ich dachte, dass sie eigentlich schon durch ist. Sieht man sein Weblog als eine Art Tageszeitung, bemisst man seinen Artikel einen materiellen Wert bei? Durch Setzen der CC-Lizenz (oder einer beliebigen anderen) drückt man wohl so etwas aus. Dann muss diese auch entsprechend beachtet werden, was halt auch beinhaltet, die Lizenz mit weiterzugeben.
Ich denke, das diese Art von Problemen in Zukunft noch sehr viel häufiger kommen wird, das Problem ähnelt ein bisschen den Problemen, die Open-Source Programmierer haben, die GPL, z. B. bei Linksys oder Siemens durchzusetzen.
Ich bin gespannt, wie IzyNews mit den Forderungen umgehen wird. Ich bin sicher, dass noch einiges kommt.

No Comments to Mehr oder minder geordnete Gedanken zu IzyNews

Stefan
5. January 2005

Die Firma hat sich die Domain http://www.bloglines.de gesichert und leitet sie auf ihre Seite weiter.

Ulrich Schwanitz
5. January 2005

> Ich bin gespannt, wie IzyNews mit den Forderungen umgehen wird.

Danke für die sachliche Analyse. Bitte erlauben Sie mir eine direkte Stellungnahme.

> überführt RSS-Feeds in Emails
stimmt.

> und versendet die dann.
stimmt nicht. Ein Großteil der Aufregung entzündet sich offenbar an dem Punkt ‘Versenden’. Auch hier:

> … auch nicht Teil der versandten Emails. Das ist ein Problem.
und
> Oder ist es vergleichbar, z. B. mit dem Kopieren einer Tageszeitung
> und dem Verschicken dieser Kopien per Post? Damit hätte die Tageszeitung wohl ein Problem.

Ein Problem mit IzyNews ist offenbar, dass der Term ‘Email’ so stark mit ‘versenden’ assoziiert ist. Von ‘versenden’ ist es anscheinend kein weiter Weg zu ‘Kopie’ und dann zu ‘Content-Klau’. IzyNews ist eben gerade _kein_ Newsletter-Versand.

Über die technischen Details will ich mich hier nicht allzusehr auslassen, aber aus unserer Sicht ist IzyNews ein Hybrid der einschlägig bekannten Online- und Offline- RSS-Reader. Im übrigen ist IzyNews durchaus nicht das erste System, das RSS mit Email koppelt. Die konkreten Verweise verkneife ich mir hier.

> CC-Lizenz irgendwo zum Vorschein kommen. Eine derartige Einbindung ist auch möglich, …
> aber bei IzyNews nicht implementiert … Das ist ein Problem.

In dem Zusammenhang möchte ich anbieten/vorschlagen:
Bei RSS-Feeds, die eine Referenz auf die Creative-Commons ‘Noncommercial’ Lizenz enthalten, wird ein ggf. enthaltener Volltext durch einen Kurztext ersetzt. Ansonsten müssen wir davon ausgehen, dass die Veröffentlichung eines (nur) maschinenlesbaren Angebotes (RSS-Datei) eben gerade bedeutet, dass eine Maschine die Datei lesen und verarbeiten soll. Es gibt viele Motive, einen RSS-Feed zu anzubieten, die z.T. weit über die Blogger-Szene hinausgehen.

> Ist das ein Medienbruch?

Ich denke, nein. Es sollte egal sein, ob identische Informationen über port 80 (HTTP, Webseite) oder port 143 (IMAP, Email) transportiert werden. Genauso kann es keine Rolle spielen, ob diese Information im Internet Explorer, Firefox, Outlook, Thunderbird, oder, oder angezeigt wird. Die Analogie mit dem allseits beliebten Gmail oder GMX liegt nahe.

Stefan
5. January 2005

Ihre Stellungnahme “Ansonsten müssen wir davon ausgehen, dass die Veröffentlichung eines (nur) maschinenlesbaren Angebotes (RSS-Datei) eben gerade bedeutet, dass eine Maschine die Datei lesen und verarbeiten soll.” liest sich so, als ob man “maschinenlesbar” mit “beliebig weiterverkaufbar” gleichsetzen könnte. Das stimmt aber nicht.

alp
5. January 2005

Eben. Nur weil man “kann”, heisst das nicht automatisch, dass man “darf”.

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