Humanität als Opfer der Bürokratie

Tuesday, February 15th, 2005 | Gastbeiträge

Mein ehemaliger Mitbewohner, Carsten Stormer, ist im Sudan unterwegs gewesen. Einige ältere Leser kenne vielleicht noch seine Berichte aus Afghanistan. Hier eine weitere Mail aus dem Sudan:

Die junge Frau vom Stamm der Zhagawa hockt vor einem winzigen Feuer. Neben ihr kauern drei kleine Kinder – in zerrissenen T-Shirts und Shorts und drängen sie sich dicht an ihre Mutter. Je kleiner die Flammen werden, desto näher rücken sie an die wärmende Glut. Über dem Feuer kocht in einem alten Kessel Tee – Tee wärmt und er wird das einzig Warme sein, das die Frau und ihre Kinder vor einer kalten Nacht zu sich nehmen werden. Die Hirse in dem Jutesack reicht nur noch für wenige Tage – und nur für eine Mahlzeit am Tag. Ein eisiger Nachtwind facht das Feuer an und lässt die dünnen Zweige schneller abbrennen. Knochige Hände an dünnen Armen strecken sich dem wärmenden Feuer entgegen. Die Flammen züngeln und tanzen zwischen den Fingern. In den knorrigen Ästen eines Baumes hängt ein weiterer Topf – außer einer Decke, dem Jutesack und einer Strohmatte ist dies der einzige Besitz, den sie in Darfur mit auf die Flucht nehmen konnten. Mutter und Kinder starren in die Glut, als könnten sie in ihr lesen, was der nächste Tag bringt. Sie lauschen dem Knistern, als könnte es ihnen sagen, wann sie wieder etwas zu Essen bekommen.

Die Flammen des Feuers werden kleiner, immer kleiner bis auch die letzte Glut erlischt. In wenigen Minuten werden die Kinder zu weinen und zu schreien beginnen; wenn der eisige Nachtwind, die letzte Wärme aus den ausgezehrten Körpern getrieben hat. Die Kleinsten spüren es zuerst – ein Zittern, das in den Fußspitzen beginnt und dann den ganzen Körper erfasst, bis dieser unkontrolliert zu beben beginnt. Ein hungriger Körper leidet eher unter der Kälte – aber dafür umso stärker. Das Weinen wird bis zum Sonnenaufgang andauern, oder bis die Kehlen heiser geschrieen sind – wie verlorene Lämmer, die ihre Mütter nicht mehr finden. „Morgen“, sagt die junge Frau. „Morgen kommt jemand, um uns zu registrieren.“ Sie ist sich sicher – seit Tagen schon.

Die junge Frau heißt Hashania Abakar Ahmed. Sie ist 26 und ihr Leiden begann vor dreizehn Monaten. Schon oft hatte Hashania davon gehört, dass die sudanesische Armee und die von ihr unterstützten Jenjaweed die Dörfer in der Umgebung bombardieren und niederbrennen, Frauen und Mädchen vergewaltigen und die Männer töten. Wider aller Vernunft hatten sie und die Bewohner des Dorfes Orshey geglaubt, dass sie verschont bleiben. Im November 2003 kam der Krieg schließlich auch nach Orshey. Erst fielen die Bomben; eine traf die Hütte ihres Onkels und löschte dessen gesamte Familie aus – fünf Menschen starben. Wer nicht von der Wucht der Explosion zerfetzt wurde, verbrannte in den Flammen. Als Hashania an dem Haus vorbei rannte, hörte sie die Schreie der Sterbenden. Nach den Bomben kamen die Jenjaweed, um das Vieh der Flüchtenden zu stehlen und um die Zurückgebliebenen zu massakrieren – zu diesem Zeitpunkt versteckte sich Hashania mit ihren drei Kindern schon in den umliegenden Hügeln. Doch sie hörte, was die Männer an den Lagerfeuern erzählten. Sie hörte von jungen Mädchen, die vor den Augen ihrer Mütter und von Müttern, die vor den Augen ihrer Kinder vergewaltigt wurden. Sie hörte von Jungen, die kaltblütig erschossen wurden, als sie das Vieh hüteten. Und von Greisen – zu alt und zu gebrechlich, um zu fliehen –, die mit Gewehrkolben erschlagen wurden.

Dreizehn Monate harrten die Überlebenden in ihren Verstecken aus – dann war alles Essbare verzehrt und der Hunger kam. Die wenigen Ziege und Schafe waren schon vor Monaten geschlachtet worden. Einige Zeit später ging die Hirse zu Ende, dann waren auch die letzten Früchte von den Bäumen verschwunden. Wer jetzt noch stark genug war und kein Gras essen wollte, machte sich auf in die Flüchtlingslager. Hashania besaß noch ein paar Kraftreserven, sie ging mit ihren Kindern nach Westen, in Richtung der Grenze zum Tschad. Ihr Mann ging nach Süden, um Nahrung für die Familie zu suchen. Bisher kam er nicht wieder – vielleicht hat er sich den Rebellen angeschlossen, vielleicht wurde er von Jenjaweed-Milizen getötet, vielleicht werden sie sich in einem Flüchtlingslager wieder sehen. Inschallah.

Zehn Tage dauerte ihre Flucht. Nach zwei Tagen hatten sie und die Kinder nichts mehr zu Essen – obwohl sie nur einmal am Tag aßen. „Es reichte nicht. Wir konnten einfach nicht mehr tragen und Esel besaßen wir nicht mehr“, flüstert Hashania. Die Esel, die sie einmal besaßen und die ihre Kinder und Vorräte hätten tragen können stahlen die Jenjaweed, – nachdem sie das Dorf niedergebrannt und die Bewohner niedergemetzelt hatten. Sie tranken aus Wasserlöchern, in die auch der Kot und der Urin des Viehs gelangt oder aus Tümpeln gefüllt mit abgestandener, bakterienverseuchter, sandiger Brühe. Die letzten Tage ernährten sie sich hauptsächlich von Naback, einer Baumfrucht, die schwer zu verdauen ist und Magenkrämpfe verursacht. Manchmal gaben ihnen auch andere Flüchtlinge etwas Hirse ab. So konnten sie überleben

Vor sechs Tagen erreichte Hashania dann das, unter UNO-Leitung stehende, Flüchtlingslager Oure Cassoni im Tschad, wenige Kilometer von der Grenze entfernt. Ihr jüngstes Kind, die zweijährige Fatma, hing da schon leblos in dem um den Rücken gebundenen Tragetuch – es röchelte nur noch, der Atem ging hastig in Todesangst. Akute Unterernährung stellten die Ärzte fest – sofortige Behandlung mit protein- und vitaminhaltiger Milch als letzte Rettung. Hashania und ihre anderen beiden Kinder erhalten keine Hilfe. Sie sind keine akuten Fälle und noch nicht registriert und somit nicht als Flüchtlinge anerkannt. Alles muss nach den Regeln und Normen der UNO verlaufen – hungernde, frierende und kranke Menschen bilden dabei keine Ausnahme. Erst muss festgestellt werden, ob auch jeder ein Flüchtling ist, der sich als solcher ausgibt. Es könnte sich ja ein hungriger Tschadienne unter die Flüchtlinge gemischt haben und das würde gegen das Mandat der Vereinten Nationen verstoßen, das nur erlaubt Menschen von jenseits der Grenze zu helfen. Der alltägliche bürokratische Irrsinn in einer der ärmsten Regionen der Erde.

Doch nicht alle Flüchtlinge erhalten die Hilfe, auf die sie hofften. Etwa vierhundert Menschen – hauptsächlich Frauen und Kinder – bevölkern den schmalen Grünstreifen, keine dreihundert Meter vom Lager entfernt und warten darauf, dass jemand sie wahrnimmt – ihre Männer sind entweder tot, versuchen woanders etwas Essbares aufzutreiben oder haben sich den Rebellen angeschlossen.
„New arrivals“ – Neuankömmlinge heißen diese Leute im Jargon der Hilfsorganisationen. Viele von ihnen sind nicht mehr ganz so neu, denn sie warten schon seit Wochen und Monaten auf die Aufnahme in das Lager. Sie hausen unter Bäumen und hinter Sträuchern oder in Unterständen aus krummen Ästen und Plastikplanen, die weder vor der glühenden Sonne noch den Sandstürmen schützen – ohne Nahrung und ohne wärmende Decken. Alle in Sichtweite des Flüchtlingslagers. „Warum bin ich hier? Es ist wie in Darfur nur in einem anderen Land. Wir leben wie Tiere“, sagt Hamid Madjid, seine Stimme bricht, er wendet seinen Blick ab und wischt sich mit einer Hand über die Augen. Sie alle harrten in Darfur aus, bis weiteres Warten den Hungertod bedeutet hätte. Keiner von ihnen wollte in das Lager kommen, sie hofften bis zuletzt, dass der Frieden nach Darfur zurückkehrt – oder, dass Hilfslieferungen diesen Teil Norddarfurs erreichen. Keines von beiden geschah. Sie mussten fliehen.

UNHCR, das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen hat offiziell die Registrierung der Neuankömmlinge abgebrochen. „Wir müssen erst die internen Probleme des Lagers lösen, bevor wir neue Flüchtlinge aufnehmen“, sagt Pauline Fresheau von UNHCR in Bahai, einer Grenzstadt nur wenige Kilometer von dem Lager entfernt. Interne Probleme hat das Lager zuhauf. Schon zu Beginn verhinderten die lokalen Behörden den Bau des Lagers an einem sicheren Ort. Nun liegt das Lager zu nahe an der Grenze und soll verlegt werden, da aus Sicherheitsgründen Flüchtlingslager mindestens 50 Kilometer von der Grenze des Krisengebiets liegen müssen – so die UN-Richtlinien. Einen besseren Platz gibt es im Moment allerdings nicht, da das Lager jetzt nur wenige hundert Meter von einem künstlich angelegten Frischwassersee liegt. Zudem hat der Präfekt von Bahai, ein Verwandter des Staatspräsidenten darauf bestanden, dass alle Tätigkeiten bei den internationalen Hilfsorganisationen wie Brunnenbau, Fahrer, Zeltaufbau an Leute seines Stammes vergeben werden. Ein weiteres Problem ergibt sich daraus, dass kein Mensch genau weiß, wie viele Menschen in Oure Cassoni leben. Die Hilfsorganisation IRC schätzt die Anzahl der Flüchtlinge auf 17.000, UNHCR auf 24.000. Essensrationen werden für 22.000 Menschen ausgegeben. Kopfzerbrechen bereitet außerdem, dass viele Familien anscheinend mehrere Familienkarten besitzen und somit mehr Rationen erhalten, als ihnen zustehen. Gerüchte besagen, das CENAR, die tschadische Flüchtlingskommission, Lebensmittelkarten gegen Bargeld ausgestellt hat. Claire Bourgeois, stellvertretende Leiterin von UNHCR in Abeche´ weist diese Vorwürfe nicht zurück.

Aufgrund der humanitäre Situation der Neuankömmlinge ist die Stimmung im Lager ist gereizt – fast alle haben Verwandte oder Freunde unter den vor dem Lager dahin Vegetierenden. Dies wird bei den täglichen Treffen zwischen Stammesführern und UN-Offiziellen deutlich. In einem Zelt in der Mitte des Lagers werden die Probleme zur Sprache gebracht. Eines Vormittags kommt es fast zum Eklat. „Wann bekommen wir endlich etwas zu essen?“, ruft eine Frau in die Menge im Zelt. „Sagt nicht, dass wir still sein sollen. Unsere Kinder hungern und weinen. Sollen wir ihnen sagen, dass sie still sein sollen?“, ihre Stimme ist heiser vor Erregung. Ein Mann schreit, dass er seine Kinder zurück nach Darfur bringen wird. „Es ist besser wenn sie in ihrer Heimat sterben anstatt hier.“ Sein Gesicht ist wutverzerrt. Das Meeting wird abgebrochen. Die Stammesführer haben Mühe, die aufgebrachte Menge zu beruhigen. . In Oure Cassoni wird immer nur von Flüchtlingen, gesprochen – nicht von Menschen. Das Wort degradiert die Menschen zu Objekten und Zahlen – es beraubt sie ihrer Identität, ihres Status, ihrer Würde und ihres Respekts. Es macht sie zu Menschen zweiter Klasse. Objekte hungern und frieren nicht – Menschen schon. Humanität als Opfer der Bürokratie. Neuankömmlinge haben es noch schlechter – sie sind Flüchtlinge zweiter Klasse.

Trotz dieser Umstände sieht UNHCR keinen Anlass zum Handeln – nur den Notdürftigsten Neuankömmlingen kommt Hilfe zu. Alle 15 Tage erhalten Kinder kleiner als 120 cm, sowie Schwangere und stillende Mütter Kraftnahrung und Proteinkekse. Ansonsten vertraut das Hilfswerk auf die Hilfsbereitschaft der registrierten Flüchtlinge, auf die traditionelle Bereitschaft der afrikanischen Stämme allen Besitz mit der Gemeinschaft zu teilen. „Die Flüchtlinge sind für ihre Handlungen verantwortlich – für sich selbst und für die Gemeinschaft. Wenn sie mehr als eine Lebensmittelkarte haben, müssen sie lernen zu teilen“, sagt Pauline Fresheaud.

Lernen zu teilen? In der Tat ist das Band, das die Flüchtlinge innerhalb und außerhalb des Lagers verbindet stark – 99 Prozent gehören zum Stamm der Zhagawa, alle sind irgendwie miteinander verwandt. Doch auch das stärkste Band droht zu zerreißen, wenn die Spannung zu groß wird. „Ich verstecke immer einen Teil meiner Vorräte in meinem Zelt. Nur das, was unsere Brüder und Schwestern aus dem Wadi in der Küche sehen teile ich mit ihnen“, sagt Abdulrahman und blickt schuldbewusst zu Boden. „Ich kann nicht mehr geben. Wir haben nicht genug.“ Erst vor Kurzem hat das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) die Rationen gekürzt – es bestand der Verdacht, dass die Flüchtlinge zuviel essen und hier kommen die doppelt ausgestellten Lebensmittelkarten wieder ins Spiel – WFP glaubt, dass die Anzahl der Flüchtlinge kleiner ist, als die ausgegebenen Rationen. Zynisch wird es, wenn an etwas Hirse, Mehl, Öl und Zucker gespart wird aber ein libyscher Lastwagenfahrer, der die Nahrungsmittel für WFP in die Lager fährt, freimütig erzählt 7.000 Dollar im Monat zu verdienen.

Als ob es eine Rechtfertigung sein soll meint Frau Frecheaud, dass es einen Dominoeffekt auslösen werde, wenn alle Flüchtlinge in das Lager aufgenommen werden. „Wenn wir dies tun würden hätten wir bald die gesamte Bevölkerung Darfurs in den Lagern.“ Was an einem Leben in einem Lager wie Oure Cassoni so attraktiv sein soll, kann sie nicht beantworten.

Laut Aussagen der Neuankömmlinge befindet sich die Bevölkerung aus der Gegend um Kurnoi und Umbaro in Nord Darfur bereits auf dem Weg in das Lager. „Hunderte oder Tausende sind auf dem Weg hierher“, erzählt Hwa Hamid. Sie kam vor zwei Tagen zum Lager. Wer Lasttiere – Esel oder Kamele – besitzt, schickt sie umgehend nach Darfur zurück, um weitere Familienangehörige zu holen oder um Lebensmittelrationen zu Verwandten in Darfur zu bringen, die dort festsitzen – zu alt, zu krank oder zu verängstigt, um die Reise in den Tschad zu überstehen. Es ist so etwas wie eine stille Versorgungslinie. Abdulrahman Abakar besitzt einige Kamele und macht sich gerade auf seine zweite Reise zurück in die Krisenregion. Seine drei Frauen und fünf Kinder hat er bereits in den Tschad gebracht. Nun kehrt er zurück, um seine Brüder, dessen Frauen und deren Kinder zu holen.

Taban Kakonga, Notfall Koordinator von WFP, erschreckt diese Nachricht. „Uns wird gesagt, dass keine Flüchtlinge die Grenze überqueren.“ Für diesen Fall wollen UNHCR und WFP allerdings einen Notfallplan ausgearbeitet haben – natürlich erst nachdem festgestellt ist, ob es sich auch tatsächlich um Flüchtlinge handelt. „Wie können wir sicher sein, dass diese Menschen aus Darfur kommen?“, fragt UN-Mann Kakonga. Aus Sicherheitsgründen müssen die UN-Mitarbeiter aber das Lager vor Einbruch der Dunkelheit verlassen haben – eine Evaluierung der Zustände ist somit ausgeschlossen.

Ein neuer Tag bricht über Oure Cassoni herein. Das endlose Weinen der Kinder hat aufgehört – zugeschwollene und verkrustete Kinderaugen blinzeln verstört den ersten Sonnenstrahlen entgegen. Wer eine Decke besitzt bleibt solange in ihr eingewickelt, bis die steifgefrorenen Glieder wieder in der Lage sind, die Last des Körpers zu tragen. Kleine Feuer werden entzündet – nackte Füße und Hände strecken sich in die Flammen.

Doch etwas ist an diesem Morgen anders. An der Sandpiste, welche die Grenzstadt Bahai mit dem Lager verbindet haben sich Hunderte Frauen in bunten toobs, der taditionellen Kleidung darfurischer Frauen, versammelt. Sie gestikulieren wild mit den Armen, werfen sich in den Staub, deuten immer wieder auf ihren Bauch – gib uns etwas zu essen wollen sie sagen. „Barak katir“, rufen sie. „Sehr kalt“, und imitieren das Zucken frierender Körper – vielen laufen Tränen über die eingefallenen Wangen. Als die ersten weißen UN Fahrzeuge auftauchen versuchen die Frauen diese aufzuhalten – ein verzweifelter aber erfolgloser Versuch einen Verantwortlichen zum Zuhören zu bewegen. Es ist das erste Anzeichen von Rebellion bei den Neuankömmlingen. Wenige Minuten später erscheint Sharif Nuen Safi, der Flüchtlingssprecher für die Region Kurnoi, der für diese Menschen im Lager zuständig wäre, wenn sie registriert wären und versucht die Frauen zu beruhigen. Eine heftige Diskussion beginnt. Zu gleicher Zeit taucht tschadisches Militär auf, das für die für die Sicherheit im Lager verantwortlich ist, und droht den Flüchtlingen mit Gefängnis, falls sich die Versammlung nicht auf der Stelle auflöst – die Drohung wirkt.

Etwas abseits sitzt der alte Sulemein Osman auf einem abgewetzten Teppich – ein fadendünnes Wesen, das sich seit Tagen nicht vom Fleck gerührt hat und dessen Gesicht so zerfurcht ist, als sei es geschrumpft und an dessen streichholzdünnen Beinen sich nur noch die Haut über die Knochen spannt. In seinem Blick liegt Apathie und Hoffnungslosigkeit. Ein paar Meter weiter läuft Abaka Idris, der ein wenig Englisch sprechen und schreiben kann von Busch zu Busch, von Unterstand zu Unterstand und schreibt in krakeliger Kinderschrift für Flüchtlinge Briefe, die mit den Worten „Ich bin eine Witwe und habe vier Waisen“ anfangen und mit „ihre Flüchtlinge unter den Bäumen“ aufhören – in der Hoffnung, dass jemand, der ihnen helfen könnte diese Briefe liest – und reagiert.

Unter einem knorrigen Baum kauert die bildhübsche 20jährige Seida Fadul und kann den Tag nicht vergessen, an dem sie von zwei Männern fünf Stunden lang vergewaltigt wurde und diese Männer anschließend ihren Vater und zwei ihrer Brüder töteten. Und Hashania wird sich wie jeden Morgen auf den Weg in die Gesundheitsstation machen, bis ihre kleine Fatma so weit zu Kräften gekommen ist, um wie die anderen unter den Bäumen zu leben. Die Hoffnung aber wird ihr keiner nehmen. „Morgen“, sagt sie. „Morgen werde ich registriert.“

No Comments to Humanität als Opfer der Bürokratie

Sidney Gennies
27. December 2006

Ich habe in der letzten halben Stunde 4 Berichte von Carsten Stormer verschlungen… Es ist erschütternd und widerlich was in der Welt passiert. Ich bin sehr froh, dass es Menschen gibt, die an diese Orte der Welt reisen und dieses Elend öffentlich machen!

Malte Diedrich
27. December 2006

Vielleicht interessiert dich auch seine Webseite:
http://web.mac.com/carstenstormer/iWeb/Carsten%20Stormer/Home.html

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