Powerbook für meinen Anwalt

Wednesday, August 31st, 2005 | Allgemein

Inspiriert durch diesen Artikel dachte ich an meinen computerunerfahrenen Anwalt, der kurz vor seinem Ruhestand nun Computer kennenlernen möchte. Ich kaufte mit ihm ein 15″ Powerbook (Er wollte einen Laptop und 12″ oder 14″ waren ihm zu klein, ausserdem war Geld in dieser Grössenordnung kein limitierender Faktor), dazu noch eine Applemaus (die alte mit einem Button). Er hatte einen Drucker und eine kleine digitale Kamera von Canon.

Was funktioniert

  • Ins Internet gehen und die Verbindung wieder schliessen
  • Anschlüsse benutzen (Maus, Drucker, Kamera, Telefon, Strom)
  • Photos aus der Kamera in iPhoto hinladen
  • Photos verschicken
  • Emails empfangen
  • Drucken
  • Der Dock
  • Emails versenden
  • Musik-CDs einlesen
  • Musik-CDs brennen
  • Musik hören
  • Die Safari-Google-Suche (bis auf die Enter-Taste, die wird gerne vergessen)
  • Expose (mit Tasten)
  • Doppelklick markiert ein Wort, Dreifachklick markiert eine Zeile

Was ist schwer

  • Programme beenden
  • Das Adressbuch benutzen
  • Erkennen, wo der Fokus liegt
  • Neue Emails erkennen
  • Die Maus richtig herum hinlegen (mit dem Kabel nach oben)
  • Doppelklick (besserte sich, nachdem ich die Klickzeit sehr weit heruntergestellt hatte)
  • Klicken, ohne die Maus zu verreissen
  • 2 Tasten gleichzeitig drücken
  • In iPhoto Diashows anlegen und dabei die Musik zu ändern
  • Den blauen Scrollbalken an der Seite in die richtige Richtung zu bewegen
  • Vorwärts- und Rückwärtspfeile im Browser zu benutzen
  • Bookmarks richtig ablegen
  • Verknüpfungen (entweder ist es im Dock oder im Programme-Ordner, dass das das Gleiche sein könnte, ist schwer zu vermitteln)
  • Unterschiedliche Pfeile bei der Maus (Über einem Textfeld ist es ein Cursor, über einem Link ist es eine Hand usw.)

Was fehlt noch

  • Systemeinstellungen
  • Spotlight
  • Office-Programme
  • Expose mit der Maus
  • Dashboard
  • Touchpad
  • “rechter” Mausklick (mit CTRL)

Ich bin bei einigen Dingen sehr überrascht gewesen, ich hätte z. B. nie gedacht, dass es so schwer ist, zu erkennen, welches Element gerade den Fokus hat. Auch die Mühe, die die Maus macht, wurde von mir sehr unterschätzt, ich bin froh, dass er die einfache Maus mit nur einer Funktion benutzt. Dabei ist der Herr durchaus klug, gesund und körperlich fit (und arbeitet noch extrem viel), die Schwierigkeiten sind also nicht auf Alter oder Gebrechen zurückzuführen.
Ich frage mich, wie man diese Dinge testet. Ernsthafte Tests mit Kunden können ja nur “verbrauchend” stattfinden, nach dem Test weiss der Nutzer ja schon etwas über Computer und hat eine bestimmte Erwartung.

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No Comments to Powerbook für meinen Anwalt

Marcus
31. August 2005

Kenne ich so ungefähr auch von meinen Eltern. Da sind die “was ist schwer” Punkte interessanterweise auch irgendwo ähnlich.

Besonders das mit dem Fokus war anfangs zu beobachten, es scheint, als ob dieses Fensterkonzept (wie Blätter Papier auf dem Schreibtisch) doch nicht so intuitiv ist. Allerdings gibt’s da ja auch wirklich fiese Ausnahmen wie modale Dialog, die z.B. dann für Verwirrung sorgen, wenn irgendeine doof programmierte Webseite einen JavaScript-Fehler ausgibt.

Programme beenden hingegen ist unter OS X doch eigentlich gar nicht wichtig (eigentlich doch nur, um den Bildschirm schnell freizuräumen, obwohl es da ja auch “verstecken” gibt).

Und das mit der Maus konnte ich auch beobachten (gar keine Beachtung, ob das Ding nun 90º gedreht zum Bildschirm ist, zudem erhebliche Probleme mit dem Abheben und Wiederaufsetzen bei gedrückter Taste), da würde ich raten: vergiß die Maus und kaufe einen Trackball, ich selbst finde den Kensington Expert Mouse super (hat auch einen Scrollring, was auch das Problem erleichtert) und konnte mit dem wirklich Verbesserungen beobachten – schade nur, daß es trotzdem meiner ist und bleibt :-D

Florian Beyerlein
1. September 2005

Schönes Sommerdesign.

Aber darum geht’s ja nicht. Ich kann alles auch bestätigen mit meinen Eltern. Fokus ist wohl wirklich das schwerste. Das Bookmarken und iPhoto schon so gut geht kannst Du Dir als echten Erfolg anschreiben :-) .
Ich habe letztens festgestellt, dass man den Mauscursor größer machen kann (in Tiger zumindest): Universal Access -> Mouse -> Cursor Size. Vielleicht hilft das ja zumindest mit dem Mausproblem. Muss das mal bei meinen Eltern testen.

Das mit der Scrollrichtung der Balken ist wirklich unlogisch, fällt einem “normalen” Computerbenutzer gar nicht mehr auf, aber da muss man wohl durch.

Testen geht wohl nur verbrauchend, ja. Man könnte da wohl auch ne Bachelor-/Diplomarbeit bei einem Senioren-Computerclub über Usabilityprobleme machen.

Interessantes Thema auf jeden Fall.

g.
4. September 2005

Hehe, das Problem mit dem fokus kommt mir bekannt vor.
Was ich so beobachtet habe ist, dass es für manche leute sehr schwer zu begreifen zu sein scheint, dass es auf dem Bildschirm “virtuelle objekte” gibt, die sich manipulieren lassen oder sogar durch Interaktion ihre Form ändern können (als beispiel sei hier das ausklappdreieck genannt).
Diese verschiedenen Objekte ohne Training und ohne Hintergrundwissen in der seit 20 Jahren “gewachsenen” GUI-Semiotik überhaupt zu identifizieren scheint ein ziemliches Problem zu sein (so sehen die verschiebebalken bei mac os x, die ja auch anzeigen sollten, welches objekt “aktiv” ist für das ungeübte auge in aktiver und inaktiver form einfach nicht offensichtlich unterschiedlich genug aus).
Das Problem mit Erkennen der Mausformen und der Repräsentation von Aliasen ist dem meiner Meinung nach verwandt.
Um neue mails zu erkennen empfehl ich “MailUnread”, dann wissen die meisten leute wenigstens, dass es etwas gibt, wonach sie suchen müssen :-)
Ausserdem kommt bei mir niemand ohne “Maustraining” davon, weil ich das total unerträglich finde, wie sich manche Leute verkrampfen, wenn sie das erste mal ne maus anfassen ;-)
Das mit dem Scrollbalken is mir neu, da hatte bis jetz noch niemand probleme, interessant…

Stefan
7. September 2005

das mit dem fokus und mit der symbolik ist wirklich das schwerste. meine mutter hat damit noch nach einem jahr computern zu kämpfen. auch denke ich fehlt das gefühl für die fenster auf dem bildschirm (welches ist vorne, welches hinten). am besten hilft da bei der erklärung immer die metapher mit dem schreibtisch und den verschiedenen dokumenten darauf.

Sanníe
13. September 2005

Ähnliche Erfahrungen mit meiner Tante: Am erstaunlichsten fand ich auch, daß das Fenster-Prinzip überhaupt nicht verstanden wird, was immer wieder zu Ausrufen führte wie “Huch, jetzt ist es weg! Ich hab nichts gemacht!”, obwohl sie es nur minimiert hatte.

Außerdem war da eine riesige Angst vor den “Fachbegriffen”, ohne die es so schwierig ist, sich zu verständigen – vor allem beim Telefonsupport.

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