Dinge, die weh tun II

Monday, September 18th, 2006 | Allgemein

Verehrte Fahrgäste, heute befinden sich im Zug Schüler der Gesamtschule XYZ, die für sie aus dem Buch “Oskar und die lila Dame” vorlesen werden.

Und ich habe keine Kopfhörer dabei. Fahrdauer ist 1 Stunde und 15 Minuten. Ich hab ja einige Ideen, was ich mit der Lehrerin, die ihre unmotivierten Nuschel-Kinder einwies, machen könnte.

Mein Brief an die Betreiberfirma des Metronoms:

Sehr geehrte Damen und Herren,

als ich heute morgen den 8:15 Zug von Hamburg nach Bremen nahm, wurde per Lautsprecher und kurz danach auch persönlich eine Folterdrohung wahr gemacht, der der spanischen Inquisition an Härte und Brutalität gleichkam. Junge Schüler lesen vor!
Vorsichtshalber wurde gleich der Hinweis gegeben, dass man den “Service” auch ablehnen könne, das hielt die Schüler leider nicht davon ab, am Nachbarplatz ihre monotonen Sprachversuche vorzutragen und somit das ganze Abteil zu quälen.
Ich habe persönlich kein Problem mit den Geräuschen, die Ansammlungen von Menschen nun mal mit sich bringen, sei es Babygeschrei, die Balzgeräusche jugendlicher Hormonopfer oder das dumpfe Sabbeln alkoholisierter Kegelgruppen, aber sind derartige Töne in der Regel mir nicht vorsätzlich beigebracht.
Nun weiss ich nicht, wer auf die Idee kam, dass unmotivierte nuschelnde Schulkinder eine Bereicherung des Zugverkehrs sein könnten, würde mich aber freuen, wenn in Zukunft derartige Experimente unterbleiben könnten.

In der Hoffnung auf Ruhe,

mit freundlichen Grüssen

Malte Diedrich

7 Comments to Dinge, die weh tun II

Hanjo
18. September 2006

Also Malte, ich glaube du übertreibst da etwas. Solche Vorleseveranstaltungen sind doch nicht zu deiner Unterhaltung gedacht, sondern zur Förderung des Lesevermögens und des Selbstbewusstseins der Kinder.

Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter, könnten die Leute besser lesen und währen selbstbewusster, hätte die NPD möglicherweise nicht bis zu 15% in einigen vorpommereschen Bezirken geholt. Ok ich übertreibe, du hast durch deine Ablehnung bestimmt keinen neuen Nazi gezüchtet, es bleibt aber die Frage offen:

WARUM ZUR HÖLLE HATTEST DU KEINE KOPFHÖRER DABEI????

Malte Diedrich
18. September 2006

WARUM ZUR HÖLLE HATTEST DU KEINE KOPFHÖRER DABEI????

Der ist bei Gravis zur Reparatur und die Ersatzhörer habe ich vergessen herauszulegen. Doof, ich weiss.

lutz
18. September 2006

Also ich muss auch sagen, dass man der ganzen Sache etwas gelassener gegenüberstehen könnte. Für mich ist “leiden” etwas ganz anderes. Daß die Idee ansich absolut dämlich ist – darüber müssen wir uns mit Sicherheit nicht streiten – sieht wohl jeder hier so. Mich interessiert eher, welcher pädagogisch-sadistische Ansatz seitens der Lehrer dahinter verborgen liegt.
Aber wer halt die Kopfhörer vergisst… :-P

Malte Diedrich
18. September 2006

Ja, die Gören taten mir auch eher leid.
Ich musste halt noch arbeiten und war um 5.40 aufgestanden, das dient nicht meiner Laune. Ausserdem will ich mal sehen, ob auf die Mail eine Antwort kommt. Da war ich ja schon wieder ruhiger, leicht überzogene Darstellung ist bei mir kein Zeichen von Aufregung.

Eilert Brinkmann
18. September 2006

Anbetracht der Tatsache, dass die Vorleser dann ja wohl auch irgendwann von Bremen nach Hamburg fahren mussten, bin ich mal froh, dass die Schüler sicherlich nicht früh genug aufgestanden sind, um meinen Zug zu nehmen ;-) Nach neuen Ideen zu suchen, wie man den Kindern das Lesen nahebringen kann, ist ja nicht grundsätzlich schlecht. Aber wenn ich’s mir früh morgens mit einer Kanne Tee im Zug bequem gemacht habe und in Ruhe meine Zeitung lesen will, wäre meine Begeisterung wohl auch eher gedämpft. Ich hätte heute allerdings Kopfhörer griffbereit gehabt.

Malte Diedrich
18. September 2006

Die sind jedenfalls um 15:30 noch im Zug gewesen, zum Glück aber nicht in der ersten Klasse. Da hatte ich mich vorher erkundigt :)

Lu
20. September 2006

ich war auch auf einer gesamtschule, damals, da lief das hier noch unter “neues projekt”. wir mussten in der tat ne menge sachen machen, aber in zügen vorlesen, das haben sie gottseidank gelassen. gottseidank.

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